ZÜNDAPP Janus

Schon seit 1924 überlegte man bei Zündapp Autos zu bauen. Doch erst 1956 fasste die Firma auf dem Gebiet des Automobilbaus Fuß. Zu jener Zeit waren schon diverse Kleinwagen auf dem Markt, so dass eine Neukonstruktion aus Zeitgründen ausschied. Es wurde überlegt, das Fuldamobil oder den Victoria Spatz in Lizenz nachzubauen, aber beide schieden aus verschiedenen Gründen aus. Schließlich fand man mit dem Dornier Delta eine Lösung.

Durch seine symmetrische Form war er für eine rationelle Fertigung förmlich bestimmt, allerdings war man mit dem äusseren Erscheinungsbild noch nicht zufrieden. Claudius Dornier war einverstanden, seinem Werk im Zündapp-Werk noch einige Verbesserungen zukommen zu lassen. Das Konzept mit Mittelmotor und der sehr eigenwilligen Sitzanordnung (die Leute sassen Rücken an Rücken) wurde aber beibehalten. Trotzdem waren die Anleihen aus dem Motorradbau auch hier nicht zu übersehen. Wesentliche Komponenten wie Motor, Getriebe und Teile der Federung stammten aus dem Zweiradprogramm. Der Motor mit immerhin 14 PS galt als ausgereift, war aber mit dem 425 kg schweren Viersitzer stark gefordert. Um schon damals nicht zum Verkehrshindernis zu werden, mussten die Gänge voll ausgefahren werden. Ein stärkerer Motor hätte sicherlich für höhere Absatzzahlen gesorgt, aber Zündapp hatte die Inhaber der alten Füherscheinklasse 4 als Käuferschicht avisiert, so dass 80 km/h die Höchstgeschwindigkeit blieb.
Das Fahrwerk war sehr gelungen und sorgte neben hohem Fahrkomfort auch für eine ebenfalls hohe Fahrsicherheit. Bei scharfen Kurven neigte sich der Wagen kaum und auch beim Bremsen nickte das Fahrzeug nur wenig nach vorne. Nun machte man sich langsam um einen Namen Gedanken und kam auf "Janus", den römischen Gott mit den 2 Gesichtern. Ein passender Name für ein Auto, das vorne und hinten nahezu gleich aussah.

1956 wurden die Prototypen den Fachjournalisten vorgestellt. Da Zündapp nicht gewillt war, Fremdarbeiten zu vergeben, wurde eine riesige Produktionsstraße aufgebaut mit einer Kapazität für 12 000 Fahrzeuge im Jahr. Um überhaupt kostendeckend arbeite zu können, musste der geplante Preis von 2 700 DM um 590 DM nach oben korrigiert werden. Zündapps Erwartungen wurden nicht erfüllt, lediglich 1731 Janusse verliessen in den ersten 6 Monaten das Werk. Im Sommer 1958 bewahrheitete sich das Gerücht, das die Zündapp-Werke zum Verkauf ständen. Man gab die Nünberger Produktionsstätte und damit den Janus auf und verkaufte alles an Bosch.

Technische Daten des Zündapp Janus:
Karosserie: viersitziges Coupe
Motor/Hubraum: 1 Zyl. 2-Takt, 248 cm3
Leistung: 14 PS bei 5000 U/min
Schaltung: Viergang
Abmessungen LxBxH in mm: 2890*1410*1400
Leergewicht : 425 kg
Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
Verbrauch: 5,2 l
Preis: 3332 DM
Stückzahlen: 6900
Baujahre: 1957/1958